20.10.2009

Von Bienchen und Blümchen oder: Die Erklärungsversuche eines türkischen Opas

Letztes Wochenende war wieder „Nichtentag“. Ich holte meine Nichte Pakize (immernoch 6 Jahre) von einem Kindergeburtstag ab und war gerade dabei, Sie für den Kindersitz zu präparieren, als folgender, von der Familie Naric mittlerweile gefürchteter Satz fiel :„Du Teyze, weißt du was?“. „Nein, mein Schatz, ich weiß nicht“. Pädagogisch nicht einwandfrei, aber wenn diese Frage kommt, bedeutet das für uns immer Alarmstufe „Rot“. Und dem war auch so. „Teyze, Asli hat einen Bruder. Und ich habe eine Schwester. Ich liebe meine Schwester, wirklich, aber ich habe gedacht, dass sie aus Mamas Bauch als Junge rauskommt.“ „Nein, nein, nein, nicht ich!“ dachte ich und mir türmten sich riesengroße Fragezeichen auf, bis mir die zündende Idee kam. „Herzstück, frag doch mal Dede. Der kann dir das bestimmt viiiiellll besser erklären als ich. Der ist auch viel älter und weiß auch viel mehr als ich“. So, das wäre geklärt, dachte ich, denn Dede ist für Pakize der Größte und der Tollste und Beste und Überhaupt, wo gibt! „Ok, dann frag ich Dede. Der weiß eh immer alles besser als Mama und Du“ stammelte sie mittlerweile von der Rückbank rüber. Chapeau Nichte, das saß! Merke Nr. 1: unterschätze nie die Klugheit eines Kleinkindes!

Bei meinen Eltern angekommen, flog die Jacke in Windeseile auf die eine und die Schuhe auf die andere Seite des Flures. „Du, Dede, Dede, weißt du was?“ Ich hörte aus dem Wohnzimmer das geduldige „Was?“ meines Vaters. „Du, Dede, Asli hat einen Bruder. Warum habe ich keinen Bruder. Ich liebe meine Schwester. Ich wollte doch, dass Fatma mein Bruder wird. Aber Dede, ich liebe Fatma. Wirklich. Ähmm... warum ist meine Schwester kein Junge?“ Meine Mutter kam langsam aus der Küche und verfolgte nun diesen Dialog genauso wie ich mit großen Augen und einem sichtbaren, noch größeren Grinsen im Gesicht. Meine Mutter konnte kaum an sich halten. Dede hatte dafür innerhalb von drei Sekunden mindestens 50 gefühlte Schweißperlen auf der Stirn. Wir waren nun alle auf die Antwort, die mit einem grammatikalisch nicht ganz einwandfreien Deutsch folgen sollte, sehr gespannt. „Pakize, dich haben wir bei Real gekauft. Und Fatma bei Rewe. Bei Rewe gab keine Jungen mehr. Deswegen wir haben Fatma mitgenommen.“ „Rot“ erklärt noch nicht ganz die Gesichtsfarbe meines Vaters. Er schien sichtlich erleichtert zu sein und lachte lauthals los. Pakize schien die Antwort aber gar nicht zu gefallen: „Ach, nein Dede. Man kann keine Kinder bei Real und Rewe kaufen. Wir waren in Mamas Bauch wie kleine Würmer. Und nach 9 Monaten sind wir aus Mamas Bauch gekommen. Und Allah hat gesagt, dass ich ein Mädchen werden soll. Und bei Fatma hat er das auch gesagt. Mann Dede, ich dachte du weißt das. Teyze wusste das auch nicht!“ Merke Nr. 2: versuche nie, einem Kleinkind einen Bären aufzubinden! Der Spiegel wird dir eher vorgehalten, als dir lieb ist!
:-)

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